Mauserzentrum für Wasservögel

Mauser: Alte Federn müssen gewechselt werden.

Viele Vogelarten legen im Lauf eines Jahres Tausende von Flugkilometern zurück. Dabei verschleißen die Flügel- und die Steuerfedern, aber auch das Körpergefieder nutzt sich im rauen Alltag eines Wildvogels ab. Die Aerodynamik beim Flug und die Isolation gegen Kälte, Hitze, Wasser und Wind würden sich verschlechtern, wenn alte Federn nicht regelmäßig erneuert würden. Das Wort „mausern“ hängt mit dem lateinischen „mutare“ zusammen – beides bedeutet wechseln.

Jederzeit fliegen zu können ist für die meisten Vogelarten unverzichtbar, vor allem weil sie für die Nahrungssuche darauf angewiesen sind. Sie mausern ihre Schwungfedern deshalb nicht alle auf einmal, sondern nacheinander, paarweise links und rechts gleichzeitig. Kleine Lücken im Flügel behindern kaum, wenn neben dem täglichen Nahrungserwerb keine weiteren Belastungen anstehen. Viele Vögel mausern deshalb nach der Brutzeit oder nachdem sie im Winterquartier eingetroffen sind. Bis eine Möwe oder eine Schwalbe so alle Schwungfedern erneuert hat, dauert es 3 bis 5 Monate.

Enten, Gänse, Schwäne, Taucher und Blässhühner brauchen dazu je nach Größe nur 3 bis 5 Wochen. In dieser Zeit sind sie aber völlig flugunfähig, denn sie werfen alle Schwungfedern gleichzeitig ab. Bei der Nahrungssuche auf dem und im Gewässer ist das nicht hinderlich.

Sie sind jedoch vollkommen darauf angewiesen, dass der Nahrungsreichtum verlässlich erhalten bleibt, denn sie können ihr Mausergewässer nicht mehr beliebig verlassen. Weil sie Gefahren nur schwimmend und langsam ausweichen können, halten sie besonders hohe Sicherheitsabstände. Selbst Spaziergängern weichen sie weiträumig aus und verlassen die ufernahen Flachwasserbereiche, obwohl dort ihre Nahrung am besten zu erreichen ist.

Viele Feuchtgebiete wurden trockengelegt oder sonst verändert; die meisten Gewässer werden im Sommer durch menschliche Aktivitäten aller Art intensiv genutzt. Die Kombination aus Nahrungsreichtum und Störungsarmut ist so selten geworden, dass Wasservögel aus vielen Ländern Europas den so genannten Mauserzug hierher an den Speichersee machen, wo sie beides vorfinden. Deshalb erhielt er das Prädikat „Feuchtgebiet Internationaler Bedeutung“.

Text: Peter und Ursula Köhler 

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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Männliche Schnatterente in der Schwingenmauser

Oben: Die Schwungfedern wurden abgeworfen. Die unteren Decken (weiß) und einige Handdecken werden bald ausfallen.

Mitte: Alle Federn wachsen.

Unten: Die neuen Federn sind fertig. 

Fotos: P. Köhler, A. Gehrold. 2009.

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