Entstehung des Gebiets

Der Ismaninger Speichersee ist ein künstlich geschaffenes Speicherbecken am Oberlauf des Mittlere-Isar-Kanals. In den Kanal wird seit 1924 bei Oberföhring Wasser aus der Isar eingeleitet, um regenerativen Strom aus Wasserkraft zu erzeugen. Bei Landshut fließt das Wasser des Kanals zurück ins Isarbett. Der Speichersee dient als Kopfspeicher, um die Energieerzeugung im Kanal zu regulieren. Insgesamt liegen fünf Wasserkraftwerke am Kanal, die Strom für etwa 120.000 Privathaushalte erzeugen können.

Südlich des Speichersees erstreckt sich das „Teichgut Birkenhof“. Hier wurden früher Karpfen gehalten, ohne dass gefüttert werden musste. Grundlage dafür war die Übernahme und Beimischung von mechanisch vorgereinigtem Klärwasser der Stadt München. Mit den darin enthaltenen Nährstoffen konnte reichlich pflanzliche und tierische Nahrung aufwachsen. Gleichzeitig wurde das Klärwasser biologisch weiter nachgereinigt.

Für die Vogelwelt hat sich der Speichersee zu einem wertvollen Rückzugsgebiet entwickelt. Viele Arten von Wasservögeln haben sich rasch nach der Umgestaltung des Gebiets im Jahr 1929 hier angesiedelt. Zahlreiche Vogelarten, deren natürliche Lebensräume infolge der Nutzung durch den Menschen verändert oder zerstört wurden, fanden am Speichersee neue Brut-, Rast- und insbesondere Mauserplätze. Verschwunden sind im Münchner Umland in den vergangenen Jahrzehnten dennoch Kraniche, Birkhühner, Uferschnepfen, Rotschenkel und Bekassinen. Stattdessen haben Wasservogelgemeinschaften hier eine neue, vom Menschen gestaltete Heimat gefunden.

Bereits seit 1976 ist das Gebiet als Feuchtgebiet internationaler Bedeutung nach der Ramsar-Konvention von 1971 eingestuft. Inzwischen gehört der Ismaninger Speichersee außerdem zum europäischen Biotopverbund Natura 2000.

 

 

Umbruchphase

Seit Mitte der 1990er Jahre hat sich die Nährstofffracht des zugeführten Abwassers durch Verbesserungen der Reinigungsleistung des Klärwerks Großlappen stark verringert. Damit wurde auch die in den Teichen aufwachsende Nahrungsbasis von Fischen und vielen Wasservögeln knapper. Dies ging mit starken Einbrüchen der Mauservogelzahlen vor allem bei Tafelente, Reiherente und Schwarzhalstaucher einher. Das sogenannte „Abwasser-Fischteich-Verfahren“ wurde im Jahr 2000 aufgegeben, nachdem die Fischzucht wirtschaftlich nicht mehr rentabel war.

Mittlerweile haben sich die Bestände teilweise wieder erholt, so dass im Hochsommer wieder um die 50.000 Wasservögel gleichzeitig anwesend sind. In den Fischteichen trug die Einstellung der bis dahin intensiv betriebenen Karpfenwirtschaft durch eine Verringerung der Nahrungskonkurrenz für Wasservögel wesentlich dazu bei. Auch im Speichersee stellte sich die Lebensgemeinschaft zunehmend auf die veränderte Nährstoffsituation ein. Vor allem herbivore Arten wie Kolbenenten im See und Schnatterenten in den Fischteichen konnten von den Veränderungen der ökologischen Rahmenbedingungen profitieren. 

 

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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Baufotos aus Kurzmann, I. 1933. Kläranlage und Fischteiche für die Münchener Abwässer. Veröffentlichungen der Mittlere Isar A.-G., R. Oldenbourg-Verlag, München

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